NUR IN DEN ERSTEN WOCHEN GREIFT DAS WELPENSCHUTZPROGRAMM von Ursula Kals (FAZ 9.7.2005) „Ich erhalte immer wieder Bewerbungsschreiben an Herrn Sylvia Knecht oder Schreiben, in denen noch der Name des Vorgängers steht“, sagt Sylvia Knecht und wundert sich. Nach „Herr“ sieht die verbindlich-energische Mitarbeiterin der DIS (Deutscher Industrie Service) AG nun wirklich nicht aus. Manche Serienbewerbungen werden noch unterirdischer, indem sie sich in nichts sagenden Phrasen ergehen: „Gerne würde ich auch in Ihrem Unternehmen einer Tätigkeit nachgehen.“ Und in welchen anderen Unternehmen? Da waren wohl die Textbausteine verrutscht. „Die Quantität nimmt zu, die Qualität der Bewerber nimmt ab“, resümiert Sylvia Knecht, die in der Düsseldorfer Zentrale des Personaldienstleisters arbeitet, der nach eigenen Angaben Marktführer in der Vermittlung von Fach- und Führungskräften ist. In Anbetracht solch grober Bewerbungsfehler versagt mitunter auch Knechts rheinischer Mutterwitz. Bei dem Zeitarbeitsunternehmen gehen im Jahr rund 290 000 Bewerbungen ein. „160 000 Gespräche führen wir selbst“, sagt die promovierte Politologin und Juristin. Wir, das sind 7000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 265 Millionen Euro machen und „Mittler zwischen Wirtschaft und Bewerber sind“. Sie treten zum Beispiel dann auf den Plan, wenn der Computerhersteller Dell 400 Mitarbeiter für das Businesscenter im ostdeutschen Halle einstellen möchte. Dann werden auf Recruiting-Veranstaltungen 15 000 Bewerber näher angeschaut. Neben den fachlichen Voraussetzungen stehen – wie inzwischen kaum ein Unternehmen zu betonen vergisst – die weichen Eigenschaften im Fokus. „Wir schauen intensiv auf die Softskills, denn deren Fehlen bemängeln einer Studie zufolge 25 Prozent der befragten Arbeitgeber. Unser Kunde sagt beispielsweise: Wir suchen einen technischen Leiter, der intern ein Team leiten soll. Wenn dieser nicht kommunikationsfähig ist, dann wird er scheitern.“ Zum runden Wunschprofil gehört auch Souveränität im Auftreten, und das schließt die Kleiderfrage mit ein. Selbstverständlichkeiten, die offenbar alles andere als selbstverständlich sind. So berichtet Sylvia Knecht von einer aufgeweckten Praktikantin, die jetzt zur Bürokauffrau ausgebildet wird. Allerdings erscheint die Auszubildende auch gern mal im bauchfreien Top unter dem Hosenanzug. „Sie hat kein Bewusstsein dafür, dass das den Vorstand, der auch auf ihrer Etage arbeitet, befremdet. Die junge Frau lebt so intensiv in ihrer eigenen Welt, dass sie das Problem nicht sieht“, sagt Sylvia Knecht. Nach ihrer Einschätzung stellt gutes Benehmen bei immer mehr jungen Leuten „ein grundsätzliches Problem dar“. So wie bei dem jungen Assistenten, der ohne anzuklopfen in Büros stürmt, mit ausgebeulter Sporttasche auf Dienstreise geht oder vor dem Dessertbesteck beim Geschäftsessen kapituliert – garniert mit einem flotten Spruch. „Heute stellt ein Vierzigjähriger keinen Fünfundzwanzigjährigen ein, der sich auf dem Sessel herumfläzt. Interessant ist aber die Frage: Was wird, wenn die Älteren ausscheiden und die Jüngeren nachrücken? Da wird es den einen oder anderen Flegel auf der Chefetage geben, so lautet meine Prognose.“ Oft helfe da nur ein klares Wort, auch aus Verantwortung den jungen Leuten gegenüber. „Wir sind ein bisschen auch Eheinstitut, wir müssen Menschen zusammenbringen, die auch zusammenpassen“, erklärt sie. Zeugnisse sagen nicht immer viel darüber aus, ob das funktioniert oder nicht. Knecht formuliert es drastisch: „Die ganze Republik scheint nur aus Einserkandidaten zu bestehen. Oft sehen wir hervorragende Zeugnisse, aber die Praxis zeigt etwas anderes. Da ist die Lüge systemimmanent.“ In ihrer Wahrnehmung, mit der sie keinesfalls allein dasteht, „stellen Unternehmen zum Teil gute Zeugnisse aus, nur damit sie Ruhe haben. So sind sie jemanden losgeworden, außerdem verbaut ein ‚ausreichend’ natürlich auch den weiteren Weg.“ Und so schützen sich Arbeitgeber auch vor Prozessen, denn ein erheblicher Teil der Arbeitsgerichtsprozesse dreht sich um Zeugnisformulierungen. Sind die Bewerber genommen worden, „dann unterliegen sie zumindest bei uns einem Welpenschutzprogramm“, wie Knecht formuliert. Niemand erwartet in den ersten Wochen Perfektion, wohl aber die Bereitschaft zu lernen. „Die Frage ist ja: Welche Fehler werden übel genommen, welche sind erlaubt?“ Grundsätzlich sei es zunächst sinnvoll, aufmerksam zuzuhören, zuzusehen und den Mund zu halten. Wer in den ersten Tagen eine kesse Lippe riskiere, der verspiele einen soliden Start. Eigentlich sagt das der gesunde Menschenverstand, aber offenbar nur eigentlich. Heikel werde die Anfängersituation vor allem dann, wenn sich die Unzufriedenen im Unternehmen auf die Neuen „stürzten“. Der Fremde werde „unter dem Siegel der Verschwiegenheit“ aufgeklärt: „Passen Sie bei dem X und Y auf, die sind cholerisch und ungerecht.“ Auf solche Dialoge sollten sich Neue auf keinen Fall einlassen, sondern entgegnen: „Ich bin neu hier, nehme das zur Kenntnis und will mir ein eigenes Urteil bilden.“ Also offen sein und nicht gleich bewerten. Und selbstverständlich nicht den Besserwisser mimen und die Kollegen mit Tipps überschütten. Zum erfolgreichen Arbeitsleben gehört längst auch die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, das ist eine gute Investition ins Selbst. Sylvia Knecht hat für dieses Schlagwort einen anderen Ausdruck: „Wir brauchen immer mehr hybride Persönlichkeiten, das sind Pflanzen, die sich anpassen.“ Gemeint sei damit kein willenloser Mitarbeiter, der sich nach kurzfristigen Auftragslagen ausrichtet, sondern Mitarbeiter, die selbstverständlich in den Standardqualifikationen gut seien, sich darüber hinaus aber auch weiterbildeten. „Je multifunktionaler jemand ist, desto besser ist er vermittelbar. Wer immer nur rechts schraubt, der verlernt es, links zu schrauben und etwas für Kopf und Körper zu tun.“ Da zukünftig immer mehr intern und extern zusammengestellte Projektteams arbeiten würden, seien Flexibilität oder die eine oder andere Zusatzausbildung hilfreich. Diesen Tipp gibt sie gerade auch jungen Müttern im Erziehungsurlaub. „Leider machen zu viele Frauen den Fehler, sich komplett auszuklinken, anstatt Kontakt zum Arbeitgeber zu halten und sich auch weiterzubilden.“ Den Weiterbildungsgedanken legt sie auch denjenigen nahe, die ihre Stelle verloren haben, wie im großen Umfang in der Informationstechnologie geschehen. „Da wird die Wohnung renoviert, ausgiebig verreist, erst dann kümmern sich manche um Anschlussjobs oder darum, sich weiter zu qualifizieren. Und das ist nicht gut. Das ist wie die Vorbereitung auf den Marathon. Da müssen sie jeden Tag etwas tun.“ Betroffene sollten persönliche und berufliche Netzwerke überprüfen, überlegen, wer weiterhelfen kann, welcher Verband Ideen geben könnte. Ein ritualisierter Tagesplan bewahre vor seelischen Abstürzen. So wie bei der fünfzigjährigen, einst erfolgreichen internationalen Projektmanagerin, die plötzlich ihre Stelle verlor, sich danach aber zwang, jeden Morgen zum Sport zu gehen, gleich ob draußen der Regen toste. Inzwischen veranstaltet sie viel gefragte Vortragsreihen in und um Köln. Und: „Sie hat offen über das Thema gesprochen. Das machen nur wenige, weil es ein Bruch in der Persönlichkeit ist.“ Von hektischem Aktivismus rät Sylvia Knecht ab: „Viel hilft viel, das ist nicht der richtige Ansatz.“ Besser sei ein persönlicher Projektplan: Welche Branchen kommen überhaupt in Frage? Es ist gut, bis zu fünf herauszusuchen und dann jeweils gezielt auf zwei, drei Unternehmen zuzugehen. „Mein Gegenüber merkt ja, ob ich nun genau zu dieser Firma möchte oder ob ich nur einen Job will.“ Siehe „Herr Knecht“.
Was haben Sie behalten?Improved Reading trainiert immer die Kombination aus hoher Lesegeschwindigkeit und hohem Verständnis. Denn was nützt es, schneller zu lesen, wenn man am Ende den Textinhalt nicht behalten hat!? Wir erreichen in unserem Training, dass Sie schneller lesen UND mehr behalten. Herzlichen GlückwunschSie haben sich jetzt vielleicht zum ersten Mal mit konkreten Zahlen zu Ihrer Lesefähigkeit auseinandergesetzt. Hier Ihre persönlichen Ergebnisse: Ihre Lesegeschwindigkeit: Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit im deutschsprachigen Raum liegt bei 200 Wörtern pro Minute. Mit Improved-Reading-Lesetechniken erreichen die Kursabsolventen im Durchschnitt 532 WpM. Auch deutlich höhere Geschwindigkeiten bis zu 1.200 WpM sind möglich. Ihr Verständnisgrad: Zum Vergleich: Das durchschnittliche Textverständnis im deutschsprachigen Raum liegt bei 55%. Nach einem Improved Reading Training erreichen die Teilnehmer im Durchschnitt 82% Textverständnis. Effective Reading Rate: Die von Improved Reading zertifizierte Effective Reading Rate ist die entscheidende Messgröße für Leseeffizienz: Hier kombinieren wir Lesegeschwindigkeit und Textverständnis zu einem aussagekräftigen Wert, der im deutschsprachigen Raum bei durchschnittlich 110 WpM liegt. | Testen Sie jetzt Ihr Lesen!Klicken Sie auf START und lesen Sie den Text, der erscheint. Lesen Sie nicht schneller oder langsamer, als Sie üblicherweise lesen würden! Wenn Sie fertig sind, genügt der Klick auf STOPP. ![]() ![]()
Die Einführung in das schnellere und bessere Lesen für Erwachsene: Mit 6 Auflagen in nur 3 Jahren konstant im Top-Ranking der Managementratgeber. Schneller lesen – Besser verstehen... Bereits ab 12 können Jugendliche mit neuen Lesetechniken schneller lesen, besser verstehen und mehr Spaß am Lesen haben. Lesetechniken für Jugendliche... ![]() Sie möchten wissen, wie Improved Reading Sie zum besseren Lesen führt? Erfahren Sie alles zu |

