KW1

Improved-Reading-KW I von IV: Zeitunglesen

kompaktwiederholungNutzen Sie Ihre tägliche Zeitungs- oder Zeitschriftenlektüre, damit Sie anhand von relativ einfachem und weniger wichtigem Material eine Reihe von Kurstechniken einüben können:

1.) Schnelles Zusteuern auf Sinnsignale: Probieren Sie immer wieder aus, wie viel vom Inhalt Sie bereits beim bloßen Durchblättern durch bewusstes Aufnehmen wichtiger Sinnsignale erfassen können – bevor Sie sie wirklich gelesen haben. Orientieren Sie sich an Überschriften, Bildern, Fettdruck, häufig vorkommenden Begriffen, Namen oder Abkürzungen. Viele Zeitschriften können Sie auf diese Weise in sehr kurzer Zeit zumindest einmal sichten, während Sie sie früher vielleicht komplett weggeworfen hätten. Beziehen Sie dabei ggf. auch die Rubriken ein, die Sie sonst gar nicht zur Kenntnis nehmen (Kultur, Sport, Wirtschaft, …). Allein das Aufgreifen von ein paar Stichworten genügt häufig für ein grobes Vorverständnis eines Sachverhalts. Manchmal entwickeln sich schon daraus interessante Anknüpfungspunkte für Gespräche oder andere Texte, die zu einem vertieften Verständnis führen.

Zur Übung können Sie ab und zu Ihre Tageszeitung oder eine Wochenzeitschrift mit einer sehr engen, strikten Zeitbegrenzung einfach nur durchblättern und dabei bewusst auf Sinnsignale achten (z.B. in 10 oder 20 Minuten). Hilfreich ist dabei eine äußere Zeitbegrenzung, z.B. eine bestimmte, regelmäßige Wegstrecke in der U-Bahn oder eine knapp bemessene Zeit, die Ihnen nach dem Frühstück zur Verfügung steht.

2.) Beschränken Sie sich öfter mal auf ein Scanning (to scan = abtasten, rastern): Sie lesen einen Artikel nicht, sondern Sie suchen lediglich einen Begriff oder die Antwort auf eine Frage. Wenn Sie z.B. eine Überschrift neugierig macht („Merkel setzte Ihre Forderungen durch“), könnten Sie sich darauf beschränken, allein nach einer bestimmten Antwort zu suchen („Mit welchen Forderungen/gegen wen setzte sie sich durch?“). Hilfreich beim Scanning ist es, wenn Sie sich vorher die möglichen Antworten oder bestimmte Wörter, die vorkommen müssten („Forderungen“ etc.), möglichst als Bild vorstellen.

3.) Sehr viele Zeitungsartikel können Sie vermutlich in hohem Tempo skimmen (to skim = den Rahm abschöpfen; siehe auch die erste KW-Mail). Sie beschleunigen Ihre Blickprozesse maximal, so dass Sie nur die Grundaussagen verstehen. Sie erfassen den Text optisch aber vollständig, Zeile für Zeile, Chunk für Chunk. Machen Sie das täglich wenigstens einmal!

4.) Gerade bei längeren Artikeln ist häufig auch ein Absatzspringen angemessen: Lesen Sie den ersten und letzten Absatz komplett und von allen Absätzen dazwischen jeweils nur den ersten Satz. Manchmal müssen Sie Kompromisse eingehen und auch den zweiten Satz oder den letzten Satz des vorigen Absatzes lesen – seien Sie flexibel, dann funktioniert diese Technik sehr gut.

5.) Rufen Sie sich noch einmal das Thema Sinngruppen (Chunken) in Erinnerung – die vielleicht wichtigste Technik des Improved-Reading-Kurses. Entspannen Sie Ihren Sehfokus („weicher Blick“), entspannen Sie auch Ihre gesamte körperliche und mentale Haltung, und nutzen Sie Ihre volle Blickspanne von ca. 3-3,5 cm: Sie werden automatisch zwei bis drei Wörter auf einmal sehen. Optimieren Sie den Abstand des Textes von Ihren Augen, denn davon hängt die Fixierungsbreite ab (nicht zu dicht „am Text kleben“!). Setzen Sie sich nicht unter Druck: Die Sinngruppen schauen Sie ganz von selbst an, Sie müssen sie nicht suchen.

Bei Zeitungsspalten haben Sie die Wahl zwischen einer und zwei Fixierungen je Zeile. Für eine vollständige Erfassung ist eine Fixierung zwar zu wenig, aber Sie können versuchen, durch bewusstes peripheres Sehen auch den Rest der Zeile mit abzudecken. Kleiner Tipp: Fixieren Sie abwechselnd erst die erste Zeilenhälfte und dann die zweite. Meistens können Sie in der ersten Hälfte mehr weglassen bzw. nur peripher sehen, denn bei den häufigen Trennungen ist meist der Anfang des Wortes am wichtigsten. Testen Sie einmal anhand eines Zeitungstextes, wie viele abgetrennte Wörter Sie allein durch das Lesen der ersten Worthälfte schon verstehen.

Zeitungsspalten mit nur einem Augenstopp je Zeile zu lesen kann eine gute Leseübung sein, erstens um den Augenfokus soweit es geht zu entspannen und zweitens um das periphere Sehen aktiv zu nutzen. Es erfordert aber ein wenig Übung. Wenn Sie sich dauerhaft unwohl dabei fühlen, nehmen Sie lieber zwei Fixierungen pro Zeile vor.

6.) Kennen Sie das Gefühl, nach einer Stunde Zeitunglesen nicht klar sagen zu können, was in der Zeitung stand? Um das zu vermeiden, gehen Sie nach interessanten Artikeln nicht gleich zum nächsten über, sondern führen Sie sich die Kernaussage kurz vor Augen. Gehen Sie ggf. noch einmal zu der entscheidenden Stelle zurück, wenn Ihnen die Argumentation nicht ganz klar ist. So verankern Sie die Information, und sie ist nicht nur passiv vorhanden, sondern auch aktiv in Gespräche einzubringen.

Bild: von Horia Varlan Flickr

Kommentierte Antworten auf die KW Frage: Was sind wichtige Voraussetzungen für das Erkennen von Sinngruppen?

a) Abstand zum Text vergrößern.

b) Blickfokus entspannen.

c) Sich möglichst intensiv darauf konzentrieren.