KW4

Improved Reading-KW IV von IV: Vorausschau

Machen Sie seit dem Improved-Reading-Kurs regelmäßig eine Vorausschau, bevor Sie anfangen zu lesen? Wir können diese Technik nur empfehlen: Wenn Sie bereits ein Vorverständnis vom Text gewonnen haben, gewinnen Sie beim eigentlichen Lesen mehr Sicherheit und Sie können Ihr Lesetempo besser differenzieren, z.B. einfache Stellen schneller, schwierige Stellen langsamer lesen. Wichtig ist dabei, dass Sie ein Leseziel formulieren und sich Fragen zum Text stellen. So wird sich auch Ihre Motivation erhöhen, sich mit dem Text auseinanderzusetzen – die wichtigste Voraussetzung für einen effizienten Leseprozess. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass der Text doch weniger von dem beinhaltet, was Sie erwartet haben – und Sie belasten sich nicht damit.

Gehen Sie den gesamten Text Seite für Seite durch, verweilen Sie aber nur ca. fünf Sekunden auf jeder Seite. Sie lesen dabei nicht, sondern lassen einfach Ihren Blick schweifen, um einen Voreindruck vom Text zu erhalten. Finden Sie selbst heraus, welche Technik Ihnen hier am ehesten zusagt: diagonales oder slalomförmiges Abtasten der Seite, Herauspicken einzelner Textelemente oder großflächige Erfassung der Seite mit der Bereitschaft, sich von aussagekräftigen Textteilen „einfangen“ zu lassen,. Beachten Sie Sinnsignale: Absätze, Aufzählungen, Fett- oder Kursivdruck, Bilder etc.

Vielleicht mögen Ihnen fünf Sekunden pro Seite sehr wenig vorkommen. Aber denken Sie daran, dass Sie im Durchschnitt nur ¼ Sekunde benötigen, um eine Sinngruppe zu erfassen. Fünf volle Sekunden können immerhin 20 Sinngruppen pro Seite sein – und auf dieser Basis können Sie häufig schon einen ausreichenden Eindruck von der Kernaussage des Textes gewinnen! Lassen Sie sich nicht von dem irritieren, was Sie alles noch nicht verstehen; sondern entwickeln Sie mithilfe der bereits aufgenommenen Sinnsignalen und Ihrer Phantasie eine Erwartungshaltung, worum es gehen könnte. Der anschließende Leseprozess wird damit leichter

Für die „Perfektionisten“ unter Ihnen: Machen Sie sich mit der Vorstellung vertraut, dass schon wenige Sinnsignale sehr aufschlussreich für den Inhalt sind und die eigentliche Lektüre in jedem Fall vorbereiten, wenn nicht sogar ganz ersparen können. Denken Sie an das „Pareto-Prinzip“: Nur 20% des Aufwands produzieren meist 80% des Ertrags. Ein 100%-iger Aufwand ist weniger oft erforderlich, als wir zumeist glauben.

Falls Sie sich ganz und gar unwohl dabei fühlen, einen Text bloß durchblätternd zu sichten: Lesen Sie die ersten Sätze des betreffenden Artikels/Kapitels ganz, um einen Einstieg zu finden, und machen Sie danach eine Vorausschau im beschriebenen Sinn. Beachten Sie, dass Sie die Vorausschau auch mit der Technik des Absatzspringens kombinieren können: Sie konzentrieren sich dann besonders auf den Anfang einzelner Absätze sowie das Ende des letzten Absatzes.

Ganz wichtig: Setzen Sie sich eine zeitliche Begrenzung, damit Sie nicht schon bei der Vorausschau ins eigentliche Lesen „hineinrutschen“. Faustregel: Bei normalen Sachtexten 5-6 Sekunden Vorausschau pro Seite, bei schwierigeren 8-10 Sekunden.

Gewöhnen Sie sich an, bei neuen Sachbüchern/-texten zeitnah eine (grobe) Vorausschau zu machen. Das ist besser, als wenn Sie sich vornehmen, die Texte irgendwann einmal zu lesen, während sie sich in Wirklichkeit auf einem stets wachsenden „Stapel des schlechten Gewissens“ auftürmen. Allerdings sollten Sie vor späterem Lesen noch einmal eine solche Einstimmung vornehmen. Mit der Zeit entwickeln Sie immer mehr Vertrauen und Routine bei der Anwendung dieser Technik.

Wenn Sie in einigen Wochen ein Referat halten, eine Prüfung oder eine umfangreichere Ausarbeitung machen müssen – führen Sie so früh wie möglich eine Vorausschau auf die in Frage kommenden Texte durch, am besten noch heute. Sie fühlen sich hinterher besser, weil Sie den ersten Schritt schon getan haben, außerdem setzen sich diese ersten Eindrücke und Informationen in Ihrem Unbewussten fest. Eine Viertelstunde Vorausschau geht (fast) immer – und danach belohnen Sie sich mit etwas Schönem.

Übungsvorschlag Nehmen Sie zwei oder drei Sachbücher aus Ihrem Bücherregal, die schon seit geraumer Zeit ungelesen bei Ihnen herumstehen. Gewähren Sie sich eine fest definierte Zeitspanne für eine Vorausschau, evtl. zwischen 15 und 30 Minuten – keine Minute mehr! Sonst fangen sie nämlich an, richtig zu lesen, und der spezifische Zweck der Vorausschau wird verfehlt. Orientieren Sie sich dabei nur an Ihrer Neugier, Ihrem Interesse an wesentlichen Inhalten/Aussagen – am besten an für Sie aktuell brennenden Fragen. Nutzen Sie dafür Inhaltsverzeichnis, Register und die aktive Suche nach wichtigen Sinnsignalen. Sehen Sie sich in der Rolle eines Detektivs, der dabei ist, einen Fall zu lösen!

Es kann passieren, dass Sie die Bücher nach der Vorausschau plötzlich so interessant finden, dass sich wie von selbst die Zeit einstellt, sie auch zu lesen. Oder aber Sie stellen fest, dass Sie sich mit der Vorausschau zufrieden geben können – dann brauchen Sie kein „schlechtes Gewissen“ mehr zu haben und können die Bücher getrost beiseitelegen.

Kommentierte Antworten auf die KW-Frage III: Die Vorausschau dient in erster Linie dazu,

a) ein Maximum an Detailinformationen aus dem Text aufzunehmen.

b) den Schreibstil des Autors kennen zu lernen.

c) das Interesse zu prüfen und das Leseziel zu definieren.