Transferimpuls 10: Zeitunglesen

Zeitunglesen

Eine körperlich und mental entspannte Grundhaltung hilft sehr beim „Loslassenkönnen“ und breiten Fokussieren – und diese Haltung haben Sie beim Zeitunglesen vielleicht eher als bei einem prüfungsrelevanten Grundlagentext oder einem Vertrag, an dem wichtige Entscheidungen hängen. Diese täglichen Erfolgserlebnisse „im Kleinen“ können Sie motivieren, auch bei wichtigem Textmaterial mutiger zu sein als früher. So weiten Sie Ihre „Komfortzone“ Schritt für Schritt aus.

Hier ein paar weitere Tipps für das effiziente Lesen Ihrer Zeitung:

1.) Schnelles Zusteuern auf Sinnsignale: Testen Sie aus, wie viel Sie vom Inhalt bereits durch bewusstes Aufnehmen wichtiger Sinnsignale beim bloßen Durchblättern erfassen können – bevor Sie den Text wirklich gelesen haben. Überschriften, Bilder, häufig vorkommende Kürzel von Staaten (Gemeinschaften) oder internationalen Organisationen (USA, EU, UNO), Jahreszahlen, mehrfach erwähnte Politikernamen oder auch monströse Politikbegriffe wie „Strukturanpassungsgesetz“ oder „Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetz” sind typische Beispiele für Sinnsignale, die Ihnen beim Zeitunglesen schnell in die Augen springen.

Viele Zeitungsabschnitte können Sie auf diese Weise in sehr kurzer Zeit zumindest sichten, während Sie sie früher vielleicht komplett ignoriert hätten. Beziehen Sie dabei ggf. auch die Rubriken ein, die Sie sonst gar nicht zur Kenntnis nehmen – für den einen ist es das Feuilleton, für den anderen Sport oder Wirtschaft. Allein das Aufgreifen weniger Stichworte genügt häufig für ein grobes Vorverständnis eines Sachverhalts. Manchmal entwickeln sich schon daraus Anknüpfungspunkte für Gespräche oder machen Lust auf andere Texte, die zu einem vertieften Verständnis führen.

2.) Beim Zeitunglesen passiert es Ihnen sicher häufig, dass Sie durch eine Überschrift „angefixt“ wurden (z.B. „Jugendliche verlieren Berührungsängste“), aber nicht den gesamten Artikel lesen wollen. Sie sind dann nur an der Antwort auf eine einzige Frage interessiert (hier z.B.: Wie ist das gemeint?). Sie visualisieren kurz ein relevantes Wort („Berührungsängste“ oder ähnliche Begriffe), gehen großflächig über die Seite, bis Ihnen das Suchwort in die Augen springt – und lesen dann lediglich den betreffenden Satz oder Absatz (Antwort: „Berührungsängste im Umgang mit künftigen Ausbildungsstätten“).

3.) Sehr viele Zeitungsartikel können Sie vermutlich in hohem Tempo skimmen (to skim = den Rahm abschöpfen; siehe auch unsere erste TI-Mail). Sie beschleunigen Ihre Blickprozesse maximal, so dass Sie nur die Grundaussagen verstehen. Sie erfassen jedoch den Text optisch vollständig, bei schmalen Spalten vielleicht nur mit einem Blickstopp pro Zeile, sonst mit zweien. Machen Sie das täglich wenigstens einmal – Sie trainieren damit zugleich Ihre Augenbeweglichkeit und ‑dynamik, ähnlich wie im Kurs mit dem Rate Controller!

4.) Kennen Sie die Unlust angesichts sehr langer Artikel? Probieren Sie es doch häufiger mal mit einem Absatzspringen (Paragraphing): Lesen Sie den ersten und letzten Absatz komplett und von allen Absätzen dazwischen jeweils nur den ersten Satz. Wenn Sie den letzten Absatz vorab lesen, bekommen Sie oft eine Art Zusammenfassung oder Schlussfolgerung, was Ihnen den „Mut zur Lücke“ beim bloßen „Anlesen“ der restlichen Absätze im Text erleichtert. Manchmal müssen Sie Kompromisse eingehen und auch den zweiten oder letzten Satz des vorigen Absatzes lesen. Seien Sie flexibel, dann funktioniert diese Technik ziemlich gut.

Nutzen Sie das Paragraphing am Anfang gerade für solche Artikel, die Sie sonst überhaupt nicht gelesen hätten – und lassen Sie sich überraschen, wie hoch Ihr Verständnis-Zugewinn ist … obwohl Sie dabei nur sehr wenig Zeit investieren.