Transferimpuls 2: Routinen schaffen

Routinen schaffen

Das Wort „Routine“ hat häufig einen negativen Klang – nämlich dann, wenn es um langweilige oder lästige, aber notwendige Aufgaben oder einfach um schlechte Gewohnheiten geht (fernsehen, rauchen). Was dabei leicht übersehen wird, ist die Tatsache, dass wir die unglaubliche Macht, die Routinen über uns besitzen ebenso gut auch positiv für uns erschließen können.

Man könnte fast von einer unerschöpflichen Energiequelle sprechen, weil Routinen – einmal etabliert – „ganz von alleine passieren“ und kaum noch Anstrengung kosten. Der anfängliche Aufwand, sie zu verankern, lohnt sich daher! Denken Sie daran, wie viel Mühe es Sie als Kind kostete, die Wörter zu entziffern und wie leicht dies heute für Sie ist! Falls Sie beim Schreiben auf der Tastatur das Zehn-Finger-System beherrschen, lächeln Sie heute vielleicht über Ihr mühseliges Herumtippen mit zwei Fingern – und sind froh über Ihren enormen Zeitgewinn.

Das „Prinzip Stoppuhr“ (oder: „Pomodoro-Prinzip“, auch als App verfügbar), d.h., die Aufteilung des Arbeitstages in kleine Einheiten von z.B. 25 oder 50 Minuten, ist ein ausgezeichneter Anfang für die Etablierung neuer Leseroutinen. Folgende Gründe sprechen dafür:

  • Sie verpacken einen großen Berg (Lese-)Arbeit in überschaubare, motivierende „Zeit-Container“.
  • An erster Stelle steht nicht die Frage: „Oh Gott, so viel Arbeit, so viel zu lesen – wie lange brauche ich nur dafür?“, sondern umgekehrt: „Ich nehme mir jetzt genau X Minuten Zeit, setze mir dafür ein realistisches Ziel und überlege mir die nötigen Strategien“.
  • Die Aufteilung in genau bemessene Zeiteinheiten fördert daher auch die Besinnung auf das „Wie“, also auf die Herangehensweise und die einzusetzenden Techniken – und damit nebenbei auch die Konzentration.
  • Die kleine Pause am Ende einer Arbeitsphase stärkt Ihre Motivation und hilft Ihnen, kleine Ablenkungen auszublenden und auf später zu verschieben. Idealerweise würden Sie die Arbeitsphase mit „Palmieren“ oder einer ähnlichen Entspannungsübung abschließen.
  • Extra-Tipp: Falls Sie viel zu Hause arbeiten/lernen, können Sie die Pausen für kleine häusliche Arbeiten nutzen (Spülmaschine ausräumen, Waschbecken putzen). Das hat gleich mehrere Vorteile auf einmal:
    • Sie bewegen sich und gönnen Ihren Augen eine Bildschirmpause
    • Sie denken währenddessen ganz unwillkürlich weiter über das Gelesene nach und vertiefen es somit
    • Und am Ende des Arbeitstages haben Sie wirklich Feierabend!
    • Oder Sie verbinden die Pause mit dem Gang zur Toilette oder einer kleinen Belohnung (Kaffee-/Teeküche, Schokolade, …).

Die neuere Gehirnforschung geht übrigens davon aus, dass das Ändern von Gewohnheiten einen Jungbrunnen für das Gehirn darstellt. Unsere geistige Leistungskraft erhalten wir am besten dann, wenn wir dem Gehirn Abwechslung bieten – statt jahrzehntelang dieselben Dinge auf dieselbe Weise zu machen. Für das Thema „Lese-Routinen“ bedeutet dies Folgendes:

1.) Hinterfragen Sie jetzt Ihre negativen oder einengenden „Dogmen“ und Routinen, die Sie jahrzehntelang beim Lesen gewohnt waren, und ändern Sie sie – z.B.:

  • „Entweder ich lese einen Text mit 100% Verständnis oder gar nicht!“
    (Tipp: Testen Sie auch mal ein Skimming oder Paragraphing – oder nur die Vorausschau! Vor allem bei den Texten, die Sie sonst überhaupt nicht gelesen hätten…vielleicht steht ja doch etwas Wichtiges drin?)
  • „Dicke Fachbücher oder lange Romane langweilen mich meist, und es dauert eh Monate, bis ich da durch bin – also lieber gar nicht erst damit anfangen oder nur das Nötigste lesen!“
    (Tipp: Teilen Sie den „Brocken“ in überschaubare „Häppchen“ auf, und setzen Sie sich konkrete Leseziele. Bei 50 Seiten täglich – jetzt vielleicht in einer Stunde statt in zwei oder drei – schaffen Sie ein 500-Seiten-Buch in zehn Tagen.)
  • „Abends schlafe ich beim Lesen sowieso immer gleich ein.“
    (Tipp: Einfach schneller lesen macht schon ein Stück wacher. Wenn es an Interesse mangelt, hilft oft die Vorausschau vorab und ggf. etwas „Mut zur Lücke“: ein Kapitel auslassen oder den Text wechseln! Nehmen Sie sich abends zur Entspannung etwas richtig Schönes zum Lesen, das Ihnen Erfolgserlebnisse verschafft.)

2.) Wichtig bei der Umsetzung neuer Leseroutinen ist auch die Anwendung unterschiedlicher Lesestrategien. Bleiben Sie flexibel, und schauen Sie immer wieder mal in den Theorieteil oder auf die MindMap ganz am Ende Ihres Arbeitsbuchs oder im Rowohlt-„Buch zum Kurs“. Probieren Sie gelegentlich Techniken aus, von denen Sie anfangs noch nicht so begeistert waren oder die Sie einfach noch nicht genügend geübt haben. Außerdem können Sie die im Kurs erlernten Techniken mit der Zeit immer stärker für sich persönlich „individualisieren“ und ergänzen.

Seien Sie neugierig auf die vielen kleinen Gelegenheiten im Alltag, bei denen Sie sich die „Macht der Gewohnheit“ positiv zunutze machen können und die Sie praktisch keine Zeit kosten: Sei es das kurze Blinzeln beim Wassertrinken am Schreibtisch zur Augenentspannung oder die Gewohnheit, den Tag immer mit einer Rückschau / einer Besinnung auf die wichtigsten gelesenen Texte zu beschließen.

3.) Die Automatisierung neuer Lese-Routinen wird Ihnen zu einer erheblich größeren Lese-Effizienz verhelfen. Sie werden also ganz einfach viel mehr lesen als früher, und das vermutlich auch mit größerer Lesefreude. Das allein ist bereits ein exzellentes Gehirntraining, wie in zahlreichen Studien nachgewiesen wird, vor allem dann, wenn Sie Ihr „erlesenes Wissen“ mit anderen Menschen teilen (was zusätzlich die Merkfähigkeit unterstützt).

Welche Lese-Routinen haben Sie nach dem Kurs erfolgreich in Ihrem Alltag verankert? Schreiben Sie uns gern von Ihren Erfahrungen, damit wir diese an andere Kursteilnehmer weitergeben können.